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6. Der Entscheider: Pontius Pilatus

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Markus streckt sich. Gemeinsam mit Primus sitzt er im schattigen Hof. Julia hat die beiden Männer eingeladen mit ihrer Familie zu essen. Julia ist die Frau des Hausbesitzers. Für ihre große Familie kocht sie gemeinsam mit ihrer Schwester Claudia und oft klopft sie an Markus´ Tür und bittet den alten Mann dazu. Ihre Kinder mögen Markus, der ihnen seine Geschichten erzählt und so sitzt er nach dem gemeinsamen Essen oft noch lange mit den Kindern im Hof. Als Julia hörte, dass auch Primus ein Geschichtensammler ist, lud sie ihn gleich ein, mit zu essen und nun warten alle gespannt auf neue Geschichten.
Umständlich kramt Markus seinen Beutel hervor und nimmt einen spitzen Stein heraus. Er wischt einige Sandkörnchen aus den scharfen Rändern und legt den Stein dann in die Hand von Julias jüngstem Sohn. Der kleine Quintus greift den Stein und zeigt ihn stolz seine großen Geschwistern. „Markus, erzähl!“, bittet er.
Markus räuspert sich. „Quintus, merkst du die Ecken und Kanten des Steins in deiner Hand? Pass auf- sie sind ganz schön scharf. Und manchmal bricht auch ein Eckchen ab. Ich will euch die Geschichte von einem Mann erzählen, der auch viele Ecken und Kanten hatte. Natürlich nicht so, wie dieser Stein hier. Nein. Aber man sagt von ihm, dass er oft launisch war: mal wollte er dies, mal das. Er war Römer, so wie ihr. Aber er lebte in meinem Heimatland. Quintus, weißt du noch, wie mein Land heißt?“
Quintus nickt stolz: „Israel!“ Markus lächelt dem Jungen freundlich zu. „Genau. Du hast ein gutes Gedächtnis, Quintus! Aber Israel gehört zum römischen Reich- zu eurem Kaiser also. Nun kann der Kaiser nicht überall gleichzeitig sein und deshalb schickt er Statthalter. Die Statthalter vertreten den Kaiser in den weit entfernten Teilen des römischen Reiches. Der Statthalter von dem ich euch erzählen will, heißt Pontius Pilatus. Er hatte es schwer in Israel: schließlich war er Römer, aber in Israel leben Juden. Seine Aufgabe war es, für Frieden im Land zu sorgen. Gar nicht so leicht, wenn ganz unterschiedliche Menschen miteinander auskommen sollen. Nun hatte Pontius Pilatus eine Idee: er wollte den Juden ein Geschenk machen und so zeigen, dass die Juden die Römer nicht zu fürchten brauchen. Er machte einen Vorschlag: zum großen Fest der Juden, zu Pessach, würde er einen Gefangenen freilassen. Die Juden in Jerusalem konnten selbst wählen, wer frei gelassen werden sollte. Kurze Zeit vorher hatte man einen Mann festgenommen. Das war mein Rabbi, mein Freund und Lehrer. Pontius Pilatus war sich fast sicher, dass die Juden seine Freilassung wünschen würden. Das wäre ihm Recht gewesen, denn mein Rabbi war schließlich kein Räuber oder Dieb. Aber die Leute forderten die Freilassung von Barabbas, der wirklich ein Verbrecher war.“
Markus seufzt. Dann spricht er weiter: „Ich habe euch schon erzählt, dass mein Rabbi später getötet wurde. Pontius Pilatus hat das mitentschieden. Wisst ihr, er hat zwar nicht gesagt: „Der Rabbi soll sterben!“. Aber er hätte dafür sorgen können, dass meinem Rabbi nichts geschieht.“
„Ach, Markus. Pontius Pilatus war kein schlechter Mann“, schaltet sich Primus ein. „Ich kannte ihn gut und kann dir sagen: er musste viele Entscheidungen treffen. Das ist ihm nicht immer leicht gefallen. Aber es war doch seine Aufgabe. Genau das sollte er tun in Israel. Dafür hatte der Kaiser ihn geschickt. Manchmal ist es eben schwer, zu entscheiden. Das kennst du doch sicher auch. Oder fällt dir jede Entscheidung leicht?“
Quintus lacht: „Mir auch nicht! Ich kann mich nie entscheiden, ob ich lieber Gebäck oder Honig naschen will!“ Julia lacht und streicht Quintus liebevoll über die dunklen Haare.
„Ja“, sagt Markus. „So ist das. Aber Pontius Pilatus hat ja in diesem Fall gar nicht wirklich entschieden. Er hat einfach nichts gemacht. Er hätte es gekonnt. Aber er hat nichts gemacht. Und obwohl er nichts gemacht hat, hat er eine Entscheidung getroffen- und mein Rabbi musste sterben.“
Markus schaut traurig zu Boden. Quintus setzt sich neben ihn. Dann nimmt er die Hand des alten Mannes und legt vorsichtig den Stein hinein.

 

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