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5. Der Verräter: Judas

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Nachdenklich reibt Primus sich die Hände. Die Geschichte, die Markus ihm erzählt hat geht ihm noch durch den Kopf. Es war die Geschichte von Simon, dem es manchmal schon schwer gefallen ist ein guter Freund zu sein. Primus löst die Knoten an seinem Geschichtenbeutel und lässt vorsichtig die Steine durch die Hand gleiten bis er den richtigen gefunden hat. „Schau mal“, sagt er zu Markus und öffnet vorsichtig die Hand. Ein dunkles Stück erstarrtes Magma liegt in der offenen Handfläche. Er legt den Beutel zur Seite und knotet mühsam einen weiteren Beutel von seinem Gürtel. Darin bewahrt er eigentlich seine Geldstücke auf. Neben allen Geldstücken liegt aber auch ein Leinentuch im Beutel und Primus wischt sich den Staub von den Händen. Markus schaut ihm schweigend zu. Als Primus umständlich das Tuch zur Seite legt sagt Markus: „Das ist doch ein Vulkanstein. Solche Steine kenne ich. Warum hast du ihn ausgesucht? Kannst du mir eine Geschichte vom Feuer erzählen?“
„Nein, nein“, antwortet Primus. „Meine Geschichte ist auch eine Geschichte von Freundschaft. Und es ist eine Geschichte davon, dass es manchmal schwer ist, ein guter Freund zu sein. Daran musste ich denken, als du von Simon erzählt hast.“ „Du machst mich neugierig“. Markus lehnt sich zurück: „Erzähl!“
„Einmal wurde mir und meinen Leuten befohlen, einen Mann zu finden, der angeblich von sich sagte, dass er der König der Juden sei. Wir sollten den Hohepriestern dabei helfen, diesen Mann gefangen zu nehmen. Schließlich gab es nur einen Kaiser- unseren römischen Kaiser nämlich- wie konnte da jemand von sich sagen, er sei ein Herrscher? Der Mann musste ein Betrüger sein. Er hatte wohl auch lauthals über den Kaiser geschimpft. Genaueres weiß ich gar nicht. Jedenfalls sollten wir den Mann festnehmen. Wir haben ihn gesucht und konnten ihn nicht finden. „Vermutlich ist er geflüchtet“, sagte einer meiner Männer und zuckte mit den Schultern. Es kam ja öfter vor, dass jemand vor uns Römern gewarnt wurde und sich rechtzeitig aus dem Staub machen konnte. Aber ausgerechnet dieses Mal war es umgekehrt: ein Mann kam zu den Hohepriestern und bot an, zu verraten, wo der Lügner sich aufhielt. Der Mann hieß Judas und bekam Geld für seinen Dienst. Es gelang uns, den Gesuchten festzunehmen. Er war aus der Stadt heraus geflüchtet, aber er schien uns schon zu erwarten. “
„Und warum der Vulkanstein?“, fragt Markus. „Als ich den Mann sah, war ich überrascht: es war der Junge, den ich einige Jahre zuvor im Tempel gehört hatte. Ich hatte oft an ihn gedacht. Er war so klug und stolz gewesen. Nun sollte ich ihn also festnehmen- und das fiel mir schwer. Ich kann gar nicht genau sagen, was mich störte, aber… Nun ja. Seinem Freund, der uns zu ihm geführt hatte ging es allerdings noch viel schlimmer: er muss ein unglaublich schlechtes Gewissen gehabt haben. Stell dir vor, wie unangenehm das Gefühl im Bauch ist, wenn man etwas getan hat, was man nicht hätte tun sollen. Als Kind habe ich oft Süßes genascht, obwohl es verboten war und mich anschließend schrecklich gefühlt.“ Markus lacht leise. Vermutlich ging es ihm ähnlich.
„Und dieser Mann, der Verräter, der hatte uns gesagt, wo sein Freund steckt. Das muss ihm später schrecklich leidgetan haben, denn sein Freund wurde nicht nur verhaftet, sondern sogar hingerichtet. Einige Zeit danach habe ich gehört, der Verräter Judas habe sich selbst getötet. Es muss gewusst haben, dass er mit Schuld an dem war, was seinem Freund passiert ist.“ Primus schaut Markus an: „Er war deinem Simon ähnlich: Judas war auch kein Freund, als es darauf ankam. Und das Geld, das er mit seinem Verrat verdient hat, das hat ihm kein Glück gebracht. Der Vulkanstein erinnert mich an ihn: er ist so dunkel und er hinterlässt Spuren auf der Hand.“ Markus schaut zögernd auf seine Hände: „Ach, weißt du: alles hinterlässt Spuren. Schau meine Hände an: so tiefe Rillen und Falten, so viele Narben. Dein Judas ist nicht der einzige, der einmal etwas getan hat, was er nicht hätte tun sollen. Ich glaube, das geht jedem Menschen so. Aber ganz bestimmt hat es ihm schrecklich leid getan. Und er muss sehr allein gewesen sein- ohne seinen Freund.“
Beide Männer schauen stumm auf den Vulkanstein, der neben Primus` Geldbeutel auf dem Boden liegt.

 

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