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4. Ein Freund: Petrus

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Ein Hahn kräht in der Dämmerung. Markus gähnt und zieht seine Decke fester um sich. Seine Kammer in einem der vielen römischen Mietshäuser liegt im obersten Stockwerk und er kann durch die Ritzen der Läden vor den Fenstern die ersten Sonnenstrahlen erahnen. Unten im Laden des Steinmetzes an der Straße beginnt schon die Arbeit. Markus hört das Rumpeln und gelegentlich hört er laute Stimmen von der Straße vor dem Haus. Die Wände seiner Kammer sind aus Lehm, Stroh und Holz und der Lärm der Stadt ist immer gut zu hören. Er bleibt noch einen Moment liegen und denkt an sein Treffen mit Primus. Der Tag ist lang geworden für die beiden Geschichtensammler. Irgendwann haben beide sich verabschiedet und Markus hat sich auf den Weg zurück nach Hause gemacht. Heute will Primus ihn besuchen. Es gibt noch so viele Geschichten, die zu teilen sich lohnt.
Markus erwartet seinen neuen Freund um die Mittagszeit. Als die Sonne am höchsten steht schließt Markus die Läden seiner Kammer, damit es nicht zu warm wird im Inneren. Unten sieht er den Hahn und die Hühner der Nachbarn im Staub scharren. Es klopft. Primus steht vor der Tür und schaut sich neugierig um, als Markus ihn hereinbittet.
Nach einer Weile setzen sie sich und Markus greift nach seinem Geschichtenbeutel, der mit Steinen gefüllt auf einem Wandbrett liegt. Sorgfältig legt er einen Stein nach dem anderen auf einen Holzbalken bis er einen kleinen Granit in der Hand hält. Er überlegt kurz und sagt dann: „Heute will ich dir von einem Mann erzählen, der viel mit diesem Granitstein gemeinsam hat. Er war einer, der stur und hartnäckig sein konnte und den so leicht kein Sturm umblasen konnte. Ein richtiger Fels war er, unser Simon. Heute nennen ihn manche sogar so: Simon Petrus, den Felsen.
Simon war ein guter Freund von meinem Rabbi, von dem ich dir schon erzählt habe. Ein echter Freund, weißt du. So einer, der tröstet wenn man traurig ist. Sie haben viel miteinander gelacht, mein Rabbi und Simon und ich glaube, sie haben sich eine Menge erzählt und ihre Sorgen geteilt.“
„So wie wir unsere Geschichten teilen?“, fragt Primus und lacht. „Ja, vielleicht so.“ Markus muss auch lachen. Wer weiß, wie stark ihre Freundschaft wohl noch werden kann? „Aber“, sagt Markus dann und reibt sich den Arm mit seiner Hand so fest, als würde ihn die Erinnerung schmerzen „die Freundschaft von Simon und meinem Rabbi musste auch einiges aushalten. Als mein Rabbi nämlich später von römischen Soldaten verfolgt wurde und in Lebensgefahr war, da hatte Simon auf einmal große Angst. Er fürchtete sich davor, als Freund meines Rabbis auch verfolgt zu werden. Das war für ihn eine schreckliche Vorstellung. Deshalb traute er sich auch nicht zu sagen, dass der Rabbi sein bester Freund war. Dabei hätte der seine Unterstützung und Hilfe sicher gut brauchen können.“
„Aber das kann ich verstehen“, meint Primus. „Wer Angst um sein Leben hat… Simon war sicher kein Vorbild in dem, was er gemacht hat. Und ein guter Freund war er in diesem Moment nur deshalb nicht, weil er große Angst hatte. Meinst du nicht, es würde dir ähnlich gehen?“ Markus nickt: „Wahrscheinlich. Und ich glaube, mein Rabbi wusste das auch. Deshalb glaube ich auch nicht, dass er Simon böse war. Er war eben auch ein guter Freund.“
Primus räuspert sich: „Was ist aus deinem Rabbi geworden, den unsere Soldaten verfolgten? Und was aus seinem Freund Simon?“ Markus lacht. „Du bist aber ungeduldig! Das sind zwei andere Geschichten. Die erzähle ich dir später.“
Dann legt er den Granit zurück in seinen Beutel.

 

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