Joomla 2.5.9

3. Mutter und Kind

Bewertung:  / 2
SchwachSuper 

Primus hat eine Karaffe mit Wasser geholt und setzt sich vorsichtig wieder neben Markus auf die Liege. Beide trinken einen Schluck. „Was könnte ich dir erzählen?“, fragt Primus. „Vielleicht beginne ich mit einer Geschichte, an die mich dieser Stein hier erinnert.“ Primus nimmt einen bläulichen Stein aus seinem Beutel und legt ihn vorsichtig zwischen sich und Markus auf das Tuch der Liege. „Mein Stein erzählt eine Geschichte, die deiner etwas ähnlich ist. Ich war nämlich auch einmal in der Nähe des Tempels. Ich erinnere mich genau an diesen Tag vor vielen, vielen Jahren, denn es war mein erster Tag als Soldat des römischen Kaisers in der Stadt Jerusalem.“
Primus trinkt noch einen Schluck und räuspert sich. Dann erzählt er: „Mein Hauptmann hatte uns jungen Soldaten den Befehl gegeben, die Gassen rund um den Tempel zu bewachen. In den nächsten Tagen stand eines der jüdischen Feste vor der Tür. Viele Menschen waren gekommen und die Gassen waren völlig überfüllt. Wir hatten alle Hände voll zu tun. Wir mussten Streithähne und Raufbolde trennen und haben Diebe verfolgt, die in der Menge den ein oder anderen Geldbeutel verschwinden ließen.“ Während Primus von seiner Zeit als junger Soldat erzählt, leuchten seine Augen.
„Vor dem Tempel sprach uns eine junge Frau an. Sie war sehr verzweifelt, denn in dem Trubel hatte sie ihren Sohn verloren. Er war nicht zu finden. Sie beschrieb ihn genau und bat um unsere Hilfe. Natürlich haben wir die Augen aufgehalten, aber eigentlich war die Suche nach dem Bengel nicht unsere wichtigste Aufgabe. Gefunden habe ich ihn dann trotzdem… Stell dir vor: Ein alter Mann, so alt, wie wir beide es heute sind, kam aus dem Tempel und ich hörte ihn erzählen, ein Junge stehe im Tempel und erzähle den klugen, erwachsenen Lehrern dort von Gott. Der alte Mann lachte als er sagte: „Und das macht der Kleine doch tatsächlich besser als so mancher der alten Rabbiner!“ Kopfschüttelnd ging er weiter. Ich war neugierig. Kurze Zeit später kam der Junge aus dem Tempel heraus. Ich konnte ihn zuerst gar nicht sehen, weil so viele Erwachsene um ihn standen, die viel größer waren als er. Sie schienen ganz fasziniert zu sein von dem Jungen. Und ich muss sagen, dass er auch mich begeisterte: Er war noch ein Kind, aber er erzählte sehr lebendig von Gott. Man konnte meinen, dass sein Gott neben ihm stehen würde.“ Primus muss bei der Erinnerung an diesen Tag lächeln. Den blauen Stein nimmt er in die Hand und streicht zärtlich darüber.
„Und?“, fragt Markus. „Hat der Junge seine Mutter wieder gefunden?“ Primus nickt: „Kurze Zeit später kam die Mutter auf der Suche wieder am Tempel vorbei und sah ihren Sohn. Sie schimpfte natürlich, denn sie hatte sich große Sorgen gemacht. Aber ich habe auch gesehen, dass sie ihn danach in den Arm nahm und fest an sich drückte. Sie gab ihm einen Kuss und streichelte ihm zart über den Kopf, so wie Mütter das mit ihren Kindern machen. Und er kuschelte sich in ihr blaues Schultertuch.“
Markus nickt. Nachdenklich legt Primus den Stein zurück in seinen Beutel.

 

Methodenheft

 

Aktionslied

Unser Aktionslied zum

ANHÖREN & DOWNLOADEN

 

Newsletter

Unser Aktions-Newsletter informiert dich über

  • aktuell verfügbares Material
  • Neuigkeiten zur Aktion

Jetzt einfach registrieren und und auf dem Laufenden bleiben!

Newsletter bestellen!

Unser Partner: