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2. Ein Mensch wie du und ich

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Markus und Primus sind schweigend nebeneinander durch das Getümmel der Straßen gegangen. Der Randstein, auf dem sie sich kennenlernten war beiden zu unbequem, um dort ihre Geschichten miteinander zu teilen. In einem Hof in einer kleinen Seitenstraße wohnt Primus. Markus sieht sich gespannt um: den Hof teilen sich Männer, Frauen und Kinder. Auf der Schattenseite unter dem Vordach sitzen sie, spielen, lachen und unterhalten sich. Primus zeigt auf einen Eingang. Hinter dem Tuch, das statt einer Tür die Sonnenstrahlen und die Hitze draußen hält, ist sein Zimmer. Ein kleiner Raum. Primus bietet Markus als Sitzplatz seine Liege an und setzt sich dann neben ihn. Markus knotet den Beutel von seinem Gürtel los. Er greift hinein und nimmt einen weißen Stein in die Hand. „Schau: Er hat einen weiten Weg hinter sich. Ein Händler aus dem Norden hat ihn mir verkauft. Wäre er geschliffen, würde er leuchten wie Gold.“

Markus seufzt und gibt Primus den kleinen Stein in die Hand. „Und hier ist eine meiner Geschichten. Es ist die Geschichte eines Freundes, den ich sehr bewundere. Er war ein Rabbi, ein großer Lehrer für uns Juden. Und er war ein starker, junger Mann. Manchmal hatte er einen richtigen Dickkopf- da kam man nicht gegen ihn an. Weißt du, so wie ihr haben auch wir Juden einen Tempel. “ Primus muss lachen: „Ja, allerdings sind unsere Tempel zahlreicher. An jeder Ecke findest du hier in Rom Tempel für die eine oder die andere Gottheit. Wenn ich mich recht erinnere, dann gibt es für euch Juden nur den einen Tempel in Jerusalem.“ Nachdenklich zupft Primus an seinem Ärmel. „Als junger Soldat war ich dort.“ „Ja, richtig“, sagt Markus und staunt darüber, dass auch Markus den weiten Weg zwischen Rom und Jerusalem gereist ist. „Dann kennst du ja den Tempel. Weißt du auch, dass im Tempel einige Händler und Geldwechsler arbeiteten? Das waren kleine Geschäfte, eher wie die Marktstände hier in Rom als wie eines der Ladengeschäfte. Aber man konnte dort so allerlei kaufen und Münzgeld eintauschen, um bezahlen zu können, wenn man auf Reisen war. Nun stell dir vor: mein Freund geht in den Tempel, sieht die Tische- und wird unglaublich wütend. So wütend, dass er die Tische umwirft und laut mit den Händlern zu streiten beginnt. Er sagte, der Tempel sei mit den Geschäften darin eine Räuberhöhle. Du kannst dir vorstellen, wie wütend die Händler waren. Und je lauter sie wurden umso wütender wurde mein Freund. „Das hier ist ein Haus des Gebetes!“, schimpfte er. “ Primus nickt. „Er hatte Recht, dein Freund.“, sagt er dann und wiegt den Kopf. „Wer mit Gott sprechen möchte, der braucht Ruhe und Zeit. Wer handeln und einkaufen möchte hat meistens keine Zeit- und bringt erst Recht keine Ruhe.“ Markus lacht leise: „Ja, das stimmt. Aber weißt du: es traut sich doch kaum jemand, zu sagen, dass die Stände im Tempel stören. Meinem Freund war das aber wichtig. Und wenn ihm etwas wichtig war, dann lohnte es sich für ihn auch, dafür zu streiten. “

„Und warum erinnert dich ausgerechnet der weiße Stein an deinen Freund?“, fragt Primus. Markus überlegt. Dann sagt er: „Weil mein Rabbi diesem Stein sehr ähnlich war. Er war auf den ersten Blick nichts besonderes, weißt du. Kein König mit einer strahlenden Krone oder ein starker Soldat mit glänzender Rüstung. Aber wenn man mit ihm zusammen war, dann merkte man, dass er trotzdem… er war ein ganz besonderer Mensch. Ich stelle mir vor, dass er von innen heraus leuchtet. Daran erinnert mich der weiße Stein. Ich erzähle dir gerne noch mehr Geschichten von ihm, wenn du magst. Dann verstehst du sicher besser, was ich meine. Aber jetzt möchte ich erst eine deiner Geschichten hören.“

 

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